Architekturwettbewerb von BSU und HHLA: Wohnen in der Speicherstadt

Reizvolle Konzepte für moderne Wohnungen, die den besonderen Charakter der historischen Speichergebäude aufgreifen, sind das Ergebnis des offenen Ideenwettbewerbs „Wohnen in der Speicherstadt“. Der von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) gemeinsam ausgerichtete Wettbewerb zeigt, wie Wohnen als unverzichtbarer Baustein einer lebendigen Nutzungsvielfalt in die historische Hamburger Speicherstadt integriert werden kann. Am 30. Mai wurden um 19 Uhr die fünf ersten Preise in Speicherblock L übergeben. Dort werden im Rahmen des Architektursommers alle Entwürfe bis Ende Juni ausgestellt.

Offene und großzügige Loftgrundrisse sowie gelungene Verbindungen von historischen und modernen Elementen charakterisieren die meisten der ausgezeichneten Entwürfe. Sie zeigen, wie Wohnen in der Speicherstadt eine weitere attraktive Belebung des Quartiers sein kann. Davon profitiert nicht nur das Viertel sondern die ganze Stadt. Denn den Wohnanteil in der Innenstadt zu erhöhen, ist ein wichtiges Ziel der Hamburger Stadtentwicklung. Der besondere Charakter der Speicher wird bei den gelungenen Entwürfen nicht nur in den Fassaden erhalten, sondern spiegelt sich auch im inneren Ambiente wieder. 127 Architekten aus Deutschland und dem europäischen Ausland haben sich an dem offenen Ideenwettbewerb „Wohnen in der Speicherstadt“ beteiligt. Die Aufgabe, die die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) gemeinsam mit der Immobiliensparte der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) als Entwicklerin und Bewirtschafterin der Speicherstadt gestellt hat, war herausfordernd: Die Wohnungen sollen dem Charakter der Speicherstadt gerecht werden sowie funktional, wirtschaftlich und dabei auch mit dem Denkmalschutz vereinbar sein. Exemplarisch gezeigt werden sollte dies an den Speicherblöcken E, L und X.

Ausgezeichnete Entwürfe

Im 1887/1888 errichteten Speicherblock L fand am Mittwoch, 30. Mai, um 19.00 Uhr die Preisverleihung statt. Der renommierte Hamburger Architekt Prof. Volkwin Marg, der als Jury-Vorsitzender das Preisgericht des Wettbewerbs „Wohnen in der Speicherstadt“ leitete, überreichte die Preise im Gesamtwert von 70.000 Euro. Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter unterstrich in seiner Laudatio die große Kreativität der eingereichten Entwürfe. Die Arbeiten der fünf Preisträger und der fünf mit Anerkennungen bedachten Teilnehmer veranschaulichen, wie gelungene Wohnnutzung in jedem dieser Blöcke möglich ist und dass die eingereichten Ideen zu realisierbaren Konzepten weiter¬entwickelt werden können. Danach bietet sich in der Speicherstadt vor allem Loftwohnen in den unteren Geschossen und Maisonettewohnen im Dachgeschoss an. Wegen der großen Tiefe der Böden – besonders der Blöcke X und L, die zwischen 24 und 28 m tief sind – erscheinen vor allem Loftgrößen von 100 bis 200 m2 als praktikable Wohneinheiten, die den Charakter der Speicher erhalten. Die Besonderheit des Ortes sollte im Sinne einer Sonderimmobilien-Vermarktung beibehalten werden.

Zukunftsweisende Nutzungsvielfalt

Um einen höheren Wohnanteil in der Innenstadt zu erreichen, ist es ein wesentliches Ziel des Wettbewerbs, das ungestörte Nebeneinander von traditionellem Handel, neuen Büro- sowie Gewerbenutzungen und dem Wohnen zu ermöglichen. Zurzeit ist das Wohnen in der Speicherstadt aufgrund des fehlenden Hochwasserschutzes allerdings nur sehr begrenzt möglich. „Die Speicherstadt wird sich zukünftig noch stärker als wichtiger Trittstein zwischen historischer Innenstadt und HafenCity präsentieren. Zu einem lebendigen Quartier gehört das Wohnen als unverzichtbarer Baustein dazu und soll deshalb zukünftig in der Speicherstadt – an den wenigen Stellen, an denen es möglich ist – seinen Platz finden. Das Wettbewerbsergebnis zeigt, dass trotz aller Schwierigkeiten, wie der Berücksichtigung des Denkmalschutzes und des Brandschutzes sowie den teilweise sehr großen Gebäudetiefen, attraktive Wohnungen in den Speichern entstehen können. Wohnungen, die in diesem einmaligen historischen Ambiente in zentralster Lage sicherlich viele Menschen ansprechen werden“, erklärt Prof. Jörn Walter, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg.

Auch wenn die Speicherstadt, da sie als Teil des Hamburger Hafens dem Hafenentwicklungs¬gesetz (HafenEG) unterliegt, zurzeit noch nicht für Wohnungen genutzt werden darf, wird dies vermutlich in näherer Zukunft möglich sein. Die Entlassung der Speicherstadt aus dem HafenEG ist bereits in Vorbereitung. Die BSU erarbeitet gerade gemeinsam mit der HHLA und dem Denkmalschutzamt der Kulturbehörde ein „Entwicklungskonzept Speicherstadt“. „Für das Entwicklungskonzept werden die einzelnen Nutzungsoptionen auf ihre Chancen und Herausforder¬ungen abgeklopft. Wir wollen eine Nutzungsmischung erzielen, durch die der eigenständige Charakter der Speicherstadt weiterentwickelt und ihre Funktion als Bindeglied zwischen Innenstadt und HafenCity gestärkt wird“, erläutert HHLA-Immobilien-Vorstand Dr. Roland Lappin.

Die Aussicht, die Speicherstadt möglichst auch für Bewohner zu öffnen, begeistert auch Prof. Volkwin Marg, Gründungspartner des international erfolgreichen Architektenbüros gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner. Prof. Marg hat sein tiefes Verständnis für die Speicherstadt u.a. bereits bei der Umnutzung des alten Kesselhaus als inspirierendes Informationszentrum oder bei der denkmalschutzgerechten Modernisierung der HHLA-Unternehmenszentrale unter Beweis gestellt. Als Jury-Vorsitzender ordnet er das Projekt in seine historischen Dimensionen ein: „Als die Speicherstadt per Senatsbeschluss für den Freihafen gebaut wurde, musste vor 130 Jahren das Wandrahmviertel weichen und mit ihm viele Tausend Bewohner. Heute, nach vier Generationen, kehren die Bewohner zurück. Viele in die neuen Quartiere der HafenCity, für die ich 1996 die Machbarkeitsstudie abgeliefert habe. Künftig hoffentlich auch eine wachsende Zahl in die Speicherstadt selbst. Dass dort vielfach anstelle von Lagerböden kulturelle Attraktionen entstanden sind und nun auch noch Wohnungen folgen sollen, begeistert mich. Diese Belebung unseres Stadtzentrums ist jeder Mühe wert.“

Ausstellung im historischen Speicher

Alle 127 eingereichten Arbeiten werden im Speicherblock L, Am Sandtorkai 36a im 1. Boden in einer großen Ausstellung auf 360 m2 präsentiert. Das Highlight der Ausstellung ist ein im Maßstab 1:1 aufgeklebter Wohnungsgrundriss. Dieser Entwurf macht die Dimensionen der vorgeschlagenen Wohnungen anschaulich und besser erlebbar. Die kostenlose Ausstellung ist montags, mittwochs und freitags bis sonntags von 12 bis 19 Uhr geöffnet, donnerstags von 12 bis 20 Uhr. Sie ist Teil des Hamburger Architektursommers 2012.

(Quelle / credits Presse HHLA, Foto: Block E in der Speicherstadt)

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