Vor allem Menschen aus Osteuropa haben die Notunterkünfte im Winter genutzt: Heute endet das diesjährige Winternotprogramm für Obdachlose. Die von der Stadt zusätzlich zur Verfügung gestellten Schlafplätze waren während des ganzen Winters zu über 100 Prozent ausgelastet. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde es überwiegend von Menschen aus Bulgarien, Rumänien und Polen in Anspruch genommen. Nur rund ein Viertel der 362 Übernachtungsplätze haben deutsche Obdachlose genutzt.
Sozialsenator Detlef Scheele: „In Hamburg musste auch in diesem Winter niemand auf der Straße übernachten. Besonders freut mich, dass es uns gelungen ist, rund 150 obdachlose Menschen in eine dauerhafte Bleibe zu vermitteln. Dies ist ein Verdienst der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken, ebenso wie bei der Hamburger Tafel für ihre Unterstützung während des Winternotprogramms.“
„Die hohe Inanspruchnahme des Winternotprogramms von Menschen aus Osteuropa, die hier eine Arbeit suchten und ohne Bleibe waren, hat uns vor große Herausforderungen gestellt. Mit der neuen Anlaufstelle für osteuropäische Obdachlose haben wir viele Menschen erfolgreich beraten und ihnen auf eigenen Wunsch ermöglicht, in ihr jeweiliges Heimatland zurückzukehren. Ich danke auch den beteiligten Konsulaten, dass sie uns dabei so tatkräftig unterstützt haben.“
Auslastung zwischen 95 und 100 Prozent
Während des Winternotprogramms vom November 2011 bis zum April 2012 hat es insgesamt 362 Übernachtungsplätze. Die 82 Schlafplätze in Wohncontainern bei Kirchengemeinden waren durchschnittlich zu 95 Prozent ausgelastet. Die 230 Schlafplätze in der zentralen Unterkunft in der Spaldingstraße und die 50 Plätze im Rumond-Walther-Haus in Altona waren zu über hundert Prozent ausgelastet.
Erfolgreiche Vermittlung in eine feste Bleibe
Durch das Winternotprogramm wurden auch wieder Menschen erreicht, die sonst kaum Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Rund 150 Menschen kehrten nicht in die Obdachlosigkeit zurück, sondern leben nun in einer Wohnunterkunft (86 Personen), bezogen eine eigene Wohnung (38 Personen) oder gehen in eine Therapieeinrichtung (13 Personen). Sechs Menschen kehrten in ihre Familie zurück, sechs weitere zogen in ein Wohnprojekt oder in eine Kirchenkate.
Kosten
Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) hat das Winternotprogramm mit rund einer Million Euro finanziert.
Erfolge der Anlaufstelle für obdachlose EU-Bürgerinnen und Bürger
Infolge der EU-Erweiterung reisen verstärkt Arbeitssuchende aus den neuen Beitrittsländern ein. Viele dieser Menschen haben keine Perspektive für eine Integration in unser Hilfesystem und die vorübergehende Aufnahme im Erfrierungsschutz stellt keine Lösung der Probleme dar. Für sie hatte die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration im November 2011 eine Anlaufstelle geschaffen.
Die beiden dort tätigen Sozialarbeiter haben während des Winternotprogramms 446 Menschen beraten und dafür gesorgt, dass 185 Menschen vorbereitet in ihr jeweiliges Heimatland zurückkehren konnten.
Prof. Dr. Gerd-Winand Imeyer, Honorar- und Generalkonsul von Bulgarien: „Ich begrüße es sehr, dass Hamburg als erste Stadt in Deutschland eine Anlaufstelle für osteuropäische obdachlose Menschen eingerichtet hat. Es ist wichtig, dass die Menschen in ihrer Muttersprache angesprochen werden. Deswegen unterstützt das Generalkonsulat von Bulgarien mit ehrenamtlich tätigen Übersetzern auch das Winternotprogramm mit der Anlaufstelle. Ebenso wichtig ist es jedoch für diejenigen Menschen, die hier keine Perspektive haben, dass ihnen bei der Rückkehr in ihr Heimatland geholfen wird.“
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration plant, die Anlaufstelle für osteuropäische EU-Bürgerinnen und Bürger auch über die Sommermonate mit einem Sozialarbeiter weiter zu führen.
Wie geht es weiter nach dem Winternotprogramm?
Alle obdachlosen Menschen, die einen Anspruch auf einen Platz in der öffentlichen Unterbringung haben und dort wohnen wollen, werden dort untergebracht. Osteuropäische Bürgerinnen und Bürger, die auf der Arbeitssuche sind, werden an gewerbliche Übernachtungsmöglichkeiten verwiesen. Zudem wird die Anlaufstelle für Osteuropäer prüfen, ob sie wieder in ihre Heimatländer zurückkehren können oder – sofern sie Sozialleistungsberechtigt sind – in öffentliche Unterbringung vermittelt werden können. Eine kurzzeitige Unterbringung in den Notunterkünften Pik As oder im Frauenzimmer ist in nur existenziellen Notlagen möglich.
Hintergrundinformationen
In Hamburg werden derzeit ca. 2.680 Plätze in Wohnunterkünften von wohnungslosen Menschen genutzt. Zudem können wohnungslose Menschen in Einrichtungen und Projekten von Trägern der Freien Wohlfahrtspflege wohnen und betreut werden (rund 280 Plätze). Wohnungslosen Menschen stehen außerdem die Fachstellen für Wohnungsnotfälle zur Verfügung, deren Aufgabe es ist, Wohnungen an wohnungslose Menschen zu vermitteln bzw. bestehenden Wohnraum zu sichern.
Für obdachlose Menschen, die ein Leben auf der Straße jeder anderen Wohnform vorziehen, gibt es umfassende, niedrigschwellige Hilfsangebote: Sechs Tagesaufenthaltsstätten geben obdachlosen Menschen ganzjährig die Möglichkeit zu duschen, ihre Wäsche zu waschen, sich beraten oder auch ärztlich untersuchen zu lassen. Hier erhalten sie auch die Möglichkeit, zu essen und können sich eine Postadresse einrichten lassen. Weitere Anlaufstellen für obdachlose Menschen sind Bahnhofsmissionen, Suppenküchen und Essensausgabestellen. Eine Krankenstube mit 14 Betten und die „Mobile Hilfe“ bieten täglich eine medizinische und pflegerische Versorgung. Seit Mitte 2005 sind zudem Straßensozialarbeiter in der Innenstadt und in den Bezirken unterwegs, die obdachlose Menschen vor Ort beraten und sich bemühen, sie in das Hilfesystem integrieren. Bürgerinnen und Bürger, können die Sozialarbeiter über die Hotline-Nummer 4 28 28 5000 erreichen und sie ggf. über Obdachlose informieren, die Hilfe brauchen.
Weitere Informationen über Unterstützungsmaßnahmen für obdachlose Menschen in Hamburg gibt es im Internet unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit
(Quelle: Pressestelle des Senats)
