Der Osterspielplan im Thalia Theater bietet den Hamburgern und ihren Gästen bestes Schauspielertheater: Vom frisch zum Berliner Theatertreffen 2012 eingeladenen „Faust I + II“ am Gründonnerstag und „Faust I“ am Karfreitag über das kurzweilige Musiktheaterprojekt „Die Krönung der Poppea“ am Ostersamstag bis hin zum prominent besetzten Gastspiel des Wiener Burgtheaters „Der zerbrochne Krug“ am Ostersonntag und -montag.
Faust I + II von Johann Wolfgang von Goethe
Koproduktion mit den Salzburger Festspielen
am Gründonnerstag, 5. April ab 17 Uhr im Thalia Theater (bis 1.15 Uhr, 3 Pausen)
Faust I am Karfreitag, 6. April um 20 Uhr im Thalia Theater (bis 23.20 Uhr)
Die Jury des Berliner Theatertreffens 2012 begründete ihre Entscheidung, „Faust I + II“ zu den zehn besten Inszenierungen des Jahres zu zählen, folgendermaßen:
„So konzentriert und opulenzarm ging es in Fausts Studierstube selten zu: Nicolas Stemann geht es in seinem neunstündigen Faust-Marathon nicht um Illustration, sondern um eine dezidierte Text-Befragung – und zwar mit allen Ingredienzien des postdramatischen Theaters. Statt festgelegter Rollen gibt es sechs Schauspieler/innen, die bei ihrer so klugen wie unterhaltsamen Dramen-Durchquerung gleichermaßen Faustische, Mephistophelische oder hellenische Anteile entdecken. Diese Inszenierung, die sich so lässig über sich selbst lustig machen kann, stellt gleichzeitig immer auch ihre Mittel – mithin ihre eigene Vorläufigkeit – zur Disposition und dringt damit denkbar unverkrampft zu den neuralgischen Punkten des Mediums schlechthin vor.“
Regie Nicolas Stemann Bühne Thomas Dreißigacker/Nicolas Stemann Kostüme Marysol del Castillo Musik Thomas Kürstner, Sebastian Vogel Musiker Burkhard Niggemeier, Sven Kaiser Video Claudia Lehmann
Ensemble Faust I Philipp Hochmair, Sebastian Rudolph, Patrycia Ziolkowska sowie Friederike Harmsen (Gesang), Franz Rogowski (Tanz) und die Musiker Thomas Kürstner, Burkhard Niggemeier, Sebastian Vogel
Ensemble Faust II Philipp Hochmair, Barbara Nüsse, Josef Ostendorf, Sebastian Rudolph, Birte Schnöink, Patrycia Ziolkowska sowie Friederike Harmsen (Gesang), Franz Rogowski (Tanz), Felix Loycke/Florian Loycke (Puppenspiel) und die Musiker Thomas Kürstner, Burkhard Niggemeier, Sebastian Vogel
Eintritt Einzelvorstellungen 35 bis 10 Euro / ermäßigt 9 Euro
Eintritt Marathon 90 bis 30 Euro / ermäßigt 18 Euro
Die Krönung der Poppea
Ein Musiktheaterprojekt nach Claudio Monteverdi
am Ostersamstag, 7. April um 20 Uhr im Thalia Theater (bis 22 Uhr)
Nur noch wenige Male zeigen wir das besondere Musiktheaterprojekt nach der gleichnamigen Oper von Claudio Monteverdi, das der junge, viel gefragte Regisseur und Musiker David Marton im Oktober 2010 für das Thalia Theater inszenierte. Unter den vielen begeisterten Stimmen nach der Premiere kommentierte der Deutschland-funk:
„Martons Hamburger Kreation ist ein frech funkelnder Flickenteppich über den modernen Kern eines uralten Materials. […] Und in den schönsten Momenten entsteht so etwas wie die zart-intuitive Musikalisierung des verunglückten Lebens: wenn etwa die schöne Poppea den grimmig-gierigen Kaiser singen lehrt. […] Ein musikalisches Abenteuer, für das die Hamburger das Thalia Theater stürmen sollten.“
Regie u Musikalische Leitung David Marton Ausstattung Alissa Kolbusch Arrangements Michael Wilhelmi
Ensemble Bruno Cathomas (Nero), Franziska Hartmann (Drusilla), Hans Kremer (Seneca), Jelena Kuljic (Poppea), Maja Schöne (Ottavia), Tilo Werner (Otho) und die Musiker Daniel Dorsch (Live-Elektronik), Marie Goyette (Klavier), Beni Santora (Cello), Michael Wilhelmi (Tasteninstrumente)
Eintritt 48 bis 13 Euro / ermäßigt 9 Euro
Gastspiel Burgtheater Wien: Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist
Am 8. April um 19 Uhr und am 9. April um 20 Uhr im Thalia Theater
Ein Krimistück spielt sich vor unseren Augen ab. Gerichtstag in Huisum. Und gerade heute ist der Dorfrichter Adam (Michael Maertens) in jämmerlichem Zustand. Zu allem Übel ist auch noch seine Amtsperücke nirgendwo aufzufinden. Doch ein Unglück kommt selten allein: ausgerechnet heute will der Gerichtsrat Walther (Roland Koch) dem Gerichtstag beiwohnen. Angeklagt ist der Bauernsohn Ruprecht (Peter Miklusz), der den wertvollen Krug von Marthe Rull (Maria Happel) zerbrochen haben soll. Ruprecht bestreitet die Tat: er habe gerade noch gesehen, wie ein Fremder fluchtartig das Zimmer seiner Verlobten Eve (Yohanna Schwertfeger) durchs Fenster verlassen habe. Der Krug sei dabei vom Kaminsims gefegt worden. Wer war der Fremde? Und wie kommt es, dass die Abdrücke im Garten von einem Klumpfuß zu stammen scheinen? War’s gar der Teufel? Und warum versucht der klumpfüßige Dorfrichter die Ermittlungen zu verzögern? Dorfrichter Adam schlingert sich durch die Verhandlung, in der er gegen sich selbst ermittelt. Mit seinen unglaublichen Ausreden verstrickt er sich immer tiefer in den eigenen Sumpf.
Nur allzu vertraut sind die Strukturen, die Kleist in seinem Stück bloßlegt. Ein korrupter Beamter versucht, sich möglichst straflos durch ein Verbrechen zu winden. Und wenn er sich dabei selbst jagen und die eigene Schuld vertuschen muss, dann offensichtlich im vollen Bewusstsein, dass ihm eh keiner beikommen kann.
„Matthias Hartmann lässt Kleists Klassiker zwar texttreu, aber gegen die Aufführungstradition spielen. Bei Hartmann wissen sichtlich alle von Beginn an, dass der Richter in Wahrheit der Schuldige ist. Da den Leuten offener Aufruhr gegen die Obrigkeit nicht möglich ist, versuchen sie alle, die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die sind also nicht dumm, die stellen sich nur dumm. Das ist eine sarkastische, gewagte Deutung, die aber nicht im Widerspruch zum Text steht. Und die dem Stück viel Schärfe gibt und viel Gemütlichkeit nimmt.
Die Besetzung ist luxuriös. Michael Maertens spielt den Adam wie man es von ihm erwartet: Virtuos, aber bei aller Komik nicht Karikaturenhaft. Großartig ist Roland Koch als Gerichtsrat Walter: Um nichts weniger korrupt als Adam, nur staatsmännischer.“ Kurier
Regie Matthias Hartmann Bühne Stéphane Laimé Kostüme Tina Kloempken Dramaturgie Klaus Missbach
Ensemble Therese Affolter (Frau Brigitte), Brigitta Furgler (Margarete, Magd), Maria Happel (Frau Marthe Rull), Branko Samarovski (Veit Tümpel, ein Bauer), Roland Koch (Walther, Gerichtsrat), Michael Maertens (Adam, Dorfrichter), Juergen Maurer (Licht, Schreiber), Peter Miklusz (Ruprecht), Yohanna Schwertfeger (Eve)
Eintritt 66 / 55 / 44 / 27 Euro / ermäßigt 12 Euro
Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de
(Quelle: Presse Thalia Theater)
